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Montag, 08.09.2008 Himara / Albanien Dienstag, 09.09.2008 Berat / Albanien
Um 6 Uhr soll es mit dem Bus nach Vlore losgehen, so wie gestern herausgefunden und uns auch noch mal zusätzlich von der Besitzerin des Hotels Gjicali bestätigt wurde. Bei unserer Ankunft waren wir an der Stelle wo sich die Straße gabelt zwischen Promenade und Ortsmitte abgesetzt worden. Bisher deuteten alle Rückfragen darauf hin, dass der 6 Uhr-Bus nach Vlore ebenfalls von hier abfahren würde. Selbstverständlich waren wir rechtzeitig (d.h. kurz nach halb 6) an der Straßengabelung anwesend. Nachdem wir uns da in Wartestellung positioniert hatten, stieg plötzlich ein Mann aus einem auf der Straßengabelung geparkten Auto, den wir vorher gar nicht gesehen hatten. Offensichtlich hatte er im Auto geschlafen und wir hatten ihn geweckt. Ansonsten passierte da erst mal nichts - kein Bus. Um kurz nach 6 kam ein Bus durchgerast, aber der hinterließ nicht den Eindruck, dass er überhaupt vorhatte, irgendwo in Himara zu halten. Nach weiteren 10 Minuten sahen wir wieder große Scheinwerfer auftauchen - ein Bus! Nur war dies einer der Busse der Linie Athen - Himara - Athen, der in Himara Endstation hatte und dort nur die Fahrgäste aussteigen ließ. Wie man den verschiedenen Nationalitätenkennzeichen des Busses entnehmen konnte, hatte dieser sein erstes Leben in Deutschland und sein zweites Leben in Polen zugebracht und fristete nun sein drittes Leben hier in Albanien. Inzwischen war es kurz nach halb 7 und wir gingen davon aus, dass der 6 Uhr-Bus nicht kommen würde. Es wurde langsam hell und das Leben in den Cafés begann zu erwachen. Ich fragte ein bisschen herum und wurde ans andere Ende der Promenade verwiesen. Dort fragte ich wiederum den Busfahrer eines geparkten Busses und der verwies mich in die Mitte der Promenade. Nach all dem Hin- und Her beschlossen wir - strategisch gut positioniert mit Blick auf die Straßengabelung und das hintere Ende der Promenade - dort stehen zu bleiben und einfach mal abzuwarten. Gegen 7.10 Uhr kam ein Minibus der tatsächlich nach Vlore fuhr und auch Platz hatte. Gepäck rein und los gings. Gleich nach Himara geht die Fahrt immer nur bergauf, durch Dörfer mit sehr schmalen Straßen und sehr wenig Asphalt. Das geht unverändert weiter bis zur Abzweigung nach Dhermi Plazhi. Von da an führt eine sehr gut asphaltierte Straße in unendlich vielen Serpentinen rauf zum Llogara-Pass. Die Aussicht ist einfach umwerfend! Nachdem wir die Passhöhe hinter uns haben durchfahren wir ein sehr schönes Waldgebiet - den Nationalpark Llogara - mit vielen Ausflugsrestaurants und einigen Übernachtungsmöglichkeiten. Ab hier geht es nur noch bergab. Die Straße ist jetzt ganz ordentlich. Wir nähern uns bald wieder der Küste und passieren Strandorte in der Nähe von Orikum, die recht nett aussehen. In der Ferne können wir Vlore erkennen. Die Stadt scheint viel größer zu sein als wir dachten. Ob das wohl was für uns ist? Der Busbahnhof liegt ziemlich am nördlichen Ende der Stadt, so dass wir auf dem Weg dorthin die ganze Stadt durchqueren müssen. So können wir bereits einen kleinen Eindruck von der Stadt gewinnen. Und der ist - zumindest für unseren Geschmack - nicht der Beste. Unbeschreibliches Verkehrschaos, laut, hektisch und insgesamt wenig ansehnlich. Am Busbahnhof angekommen möchten wir natürlich erst mal gerne Kaffee trinken; wir haben schließlich heute morgen noch keinen gehabt. Hierzu müssen wir die belebte Kreuzung am Busbahnhof überqueren. Nicht ganz so einfach, erst mal hinstellen und nach einer Lücke gucken, da hält ein Polizeiwagen der Marke Fiat Panda Baujahr ca. 1989 und die Insassen winken uns freundlich über die Straße. Das nenne ich doch Service. Wir setzen uns in das nächste Café und bestellen Kaffee und Mineralwasser. Außerdem müssen wir nach der langen Fahrt natürlich die Toilette benutzen. Nachdem wir eine Weile das Treiben auf der belebten Kreuzung beobachtet haben, fragen wir uns, ob uns diese Stadt nach der Beschaulichkeit von Himara wirklich etwas zu bieten hat. Vom Café aus sehen wir einen Bus mit der Aufschrift "Berat". Hmmmmh - Berat sollte eigentlich unser nächstes Ziel nach Vlore werden. Berat ist ja nicht mehr so weit von Vlore entfernt und man könnte theoretisch gleich den nächsten Bus nach Berat nehmen und auf den Aufenthalt in Vlore verzichten. Nach und nach finden wir immer mehr Gefallen an dieser Idee, trinken aus, bezahlen, überqueren diesmal ohne polizeiliche Hilfe die Kreuzung und gehen rüber zum Busbahnhof. Natürlich nicht ohne noch einen ausgiebigen Blick durch die Fenster einer sich am Busbahnhof befindlichen Schafschlachterei zu werfen, in der etliche der Tiere zum Ausbluten hingen. Am Busbahnhof wurden wir gleich in Empfang genommen mit der Frage, ob wir nach Tirana wollten. Nein, das nicht, aber nach Berat. Auch kein Problem, wir werden gleich einem der Busse zugewiesen. Ein junger Mann auf Flip-Flops, der sich später als unser Busfahrer herausstellen sollte, weist uns an unser Gepäck in den Gepäckraum zu legen und gut 20 Minuten später waren wir auf dem Weg Richtung Berat. Die Fahrt geht recht zügig voran, die Straße ist relativ gut, wenn auch schmal und stark befahren, so dass ein Überholen langsamer Fahrzeuge praktisch nicht möglich ist. Unterwegs passieren wir stillgelegte Erdölfelder; der Geruch ist dennoch deutlich spürbar. Inzwischen fahren wir durch Berat; der erste Eindruck ist sehr gut. Der Bus hält plötzlich an, der Busfahrer und einige Passagiere versuchen uns deutlich zu machen, dass wir hier aussteigen sollen, obwohl es sich hier offensichtlich noch nicht um den Busbahnhof handelt. Während des Aussteigens sagt man uns entweder auf englisch oder deutsch und zeigt in die entsprechende Richtung: "Da - Centrum, da - Hotel". Das war ja nun wieder nett, denn so wurde uns - wie wir später herausfinden sollten - ein kleines Stück Fußweg vom offiziellen Busbahnhof erspart. Bei dem Hotel handelte es sich um das Hotel Tomorri, äußerlich nicht so echt ansprechend, aber wir wollten nach der langen Reise nicht mehr so wählerisch sein. Wir konnten ein Zimmer im 4. Stock bekommen zum Preis von insgesamt 30 Euro inklusiv Frühstück. Das Zimmer war wirklich ordentlich und gepflegt und es funktionierte auch praktisch alles. Bemerkenswert war, dass wir im Badezimmer das erste Mal eine Duschwanne sahen. Diese war offensichtlich nachträglich eingebaut worden, denn wenn man auf der Toilette saß, musste man die Füße entweder auf den Rand der Duschwanne oder gleich darin abstellen. Der Ausblick von unserem Fenster auf die Altstadt von Berat ist fantastisch! ![]() Wir gehen erst mal etwas trinken auf der von einer Parkanlage umgebenen Hotelterrasse. ![]() Danach laufen wir ein wenig durch die Stadt zur ersten Orientierung. ![]() Die Stadt hinterlässt einen super sauberen und gepflegten Eindruck. ![]() Die Altstadt und die Festung heben wir uns für den nächsten Tag auf - es ist einfach zu heiß. ![]() In den Nachmittagsstunden werden die Straßen von einem Wasserwagen geduscht - ein Szenario was uns aus südlichen Ländern bisher vollkommen unbekannt war. Aber offensichtlich ist hier genug Wasser vorhanden um sich diesen Luxus leisten zu können. Vermutlich würde sonst während des abendlichen Korsos zu viel Staub aufgewirbelt. Es gibt wenig Essgelegenheiten in Berat, dafür aber umso mehr Cafés. Es ist wirklich schwierig, ein Restaurant zu finden. Nach längerem Suchen beschließen wir in die Pizzeria auf dem Dach des Hotels Tomorri zu gehen. Eine wirklich gute Wahl mit einer fantastischen Aussicht, auch wenn das mulmige Gefühl hinsichtlich der ausschließlichen Erreichbarkeit per Lift in Zusammenhang mit den regelmäßigen Stromausfällen bei mir nicht so ganz verschwinden will. Nach dem Essen laufen wir noch etwas durch die Stadt, aber es ist inzwischen ungefähr 22 Uhr und - ganz im Gegensatz zum südländischen Leben an der Küste - werden hier bereits die Fußwege hochgeklappt. Auch gut, wir sind sowieso müde und gehen schlafen. Mittwoch, 10.09.2008 Berat / Albanien |
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