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Donnerstag, 11.09.2008
Pogradec / Albanien Freitag, 12.09.2008 Lin / Albanien
Nach dem Frühstück spazieren wir durch den ca. 1 km langen, sehr gepflegten am Ufer gelegenen Park in Pogradec und überlegen uns, ob man eventuell baden sollte. Nach näherem Hinsehen überlegen wir uns diesen Vorhaben sehr schnell wieder. Der Strand im Stadtbereich ist sehr ungepflegt. Liegt das nun an der Jahreszeit oder ist das immer so? Es liegt viel Müll am Strand, viele Algenablagerungen die nicht weggeräumt wurden und das Wasser stinkt. Nicht einladend. Trotz der Hitze verzichten wir auf ein erfrischendes Bad und beschließen, lieber nach Lin zu fahren, ein altes Dorf auf einer Halbinsel, ca. 25 km in Richtung mazedonische Grenze am Südwestufer des Ohrid Sees gelegen. Eine Bushaltestelle haben wir immer noch nicht gefunden und darum denken wir, dass es das Beste ist, wenn wir uns einfach an der Straße am Ortsausgang Richtung Lin "aufbauen" und mal gucken, was da so passiert. Es stehen da tatsächlich einige Leute rum, die den Eindruck hinterlassen, dass sie auf irgendetwas warten. Ich spreche eine Frau an, ob hier der Bus nach Lin fährt. Sie bejaht und versucht daraufhin auch gleich ein Gespräch mit mir zu beginnen. Bedingt durch meine leider nur rudimentären Albanisch-Kenntnisse ist mir der überwiegende Inhalt des Gesprächs verschlossen geblieben. Es fahren mehrere Busse und Minibusse vorbei; manche halten auch und nehmen einige der wartenden Fahrgäste auf. In diesem Fall spreche ich den Busfahrer oder die Fahrgäste an, ob der Bus nach Lin fährt, was aber stets verneint wird. Meine Gesprächspartnerin von der Bushaltestelle versichert mir aber immer wieder aufs Neue, dass an dieser Stelle irgendwann der Bus nach Lin kommen würde. Also fassen wir uns in Geduld und nach einer Weile fährt tatsächlich ein uralter, klappriger, mit Schulkindern total überfüllter Bus vor. Wir würgen uns irgendwie rein und sofort wird uns von verschiedenen Seiten ein Sitzplatz angeboten; mehrere Mütter nehmen ihre Töchter im Teenager-Alter auf den Schoß, nur damit die Touristen einen Sitzplatz haben. Ich komme langsam wirklich nicht mehr aus dem Staunen heraus. In Lin angekommen spazieren wir erst mal durch das Dorf. Es ist wirklich sehr alt und an der Atmosphäre merkt man, dass es doch irgendwie am Ende der Welt liegt. Touristen scheinen hier noch eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Von den Erwachsenen werden wir mit einer Mischung aus freundlicher Neugier und Zurückhaltung beäugt; wir treffen sogar noch die Frauen, die im Bus für die Sitzplätze gesorgt hatten und von denen wir nun freundlich gegrüßt werden. Die Kinder begleiten uns auf Schritt und Tritt und versuchen ihre englischen Schulkenntnisse auszuprobieren und uns das Dorf zu zeigen. In dem Moment bedauere ich wirklich, dass wir für solche Fälle keine Kleinigkeiten zum Verschenken bei uns haben. Es wäre sicher von Vorteil gewesen, wenn wir vorher in Pogradec eine Tüte Süßigkeiten oder ähnliches gekauft hätten. Leider haben wir da nicht dran gedacht, aber wissen es jetzt wenigstens für das nächste Mal.. Lin besitzt eine Moschee und eine orthodoxe Kirche. ![]() Auf einem Hügel oberhalb des Dorfes befinden sich Grundmauern und die Fußbodenmosaike einer frühchristlichen Kirche aus dem 6. Jahrhundert, welche durch eine hässliche Stahlkonstruktion vor Sonne und Regen geschützt werden. ![]() Ferner gibt es 2 Hotels in halbfertigem Zustand, in denen sich im Erdgeschoss eine Gaststätte mit einer schönen Seeterrasse befindet. ![]() Wir trinken dort einige Bier und nebenbei fragen wir den jungen Mann, ob und wann ein Bus nach Pogradec zurück fährt. So wie ich bereits befürchtet hatte, gibt es heute keinen Bus mehr. Kein Wunder, es ist ja praktisch ein Schulbus und natürlich müssen die Kinder erst morgen früh wieder in die Schule nach Pogradec. Also beschließen wir, zu Fuß die ca. 1,5 km zur Hauptstraße hinauf zu laufen und dort nach den Möglichkeiten zu gucken. Wir sind noch keine 100 Meter unterwegs, da überholt uns ein Auto, hält an und der Fahrer fragt, ob er uns mitnehmen kann. Wir fragen, ob er nach Pogradec fährt. Er macht uns deutlich, dass er nicht nach Pogradec fährt, uns aber ein kleines Stück mitnehmen kann. Mit Freude steigen wir ein - mal schauen, wo's hingeht... Wir fahren bis zur Hauptstraße, dann ein Stück die Hauptstraße entlang Richtung Pogradec und nach einigen hundert Metern biegt unser Fahrer wieder nach links von der Hauptstraße ab und bedeutet uns, dass wir nun aussteigen müssten. Wir bedanken uns herzlich und verabschieden uns von dem freundlichen Mann. Wir überqueren die Hauptstraße und stehen noch keine 10 Sekunden am Straßenrand als eine Art Taxibus angebraust kommt. Die übliche Frage unsererseits: "Nach Pogradec?" und schon sitzen wir zwischen anderen Reisenden eingequetscht auf der Rückbank und in einem Affenzahn geht es zurück. Bezahlt wird beim Aussteigen, die Rückfahrt war zwar doppelt so teuer wie die Hinfahrt, dafür aber auch doppelt so schnell. Das Abendessen nehmen wir dann wieder im Hotel Perla zu uns. Wir haben Appetit auf Fisch und bestellen uns Bellushke; das ist eine kleine Forellensorte, welche im Ohrid See beheimatet ist. Eine Portion besteht aus 3 - 4 Stück und diese Fische sind außergewöhnlich lecker und wirklich gut zubereitet. Selbstverständlich möchten wir zum leckeren Fisch gerne Weißwein trinken. Leider gibt es jedoch im Hotel Perla keinen offenen Wein, man muss eine ganze Flasche nehmen und diese wird dort zu einem für albanische Verhältnisse relativ hohen Preis verkauft, 1000 Lek = ca. 8,30 Euro. Aber was soll's? Dafür sind die Bellushke wirklich sehr preiswert. Samstag, 13.09.2008 Pogradec / Albanien |
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